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Uhrenbeweger Theorie
Dieser
Artikel spiegelt die Erfahrungen aus mehr als 15 Jahren Uhrenbewegerbau
wider. Trotzdem übernehmen wir keine Gewähr für die Gültigkeit aller
Aussagen für alle Uhrwerke in allen Konstellationen ...
Die nachfolgenden
Ausführungen beruhen auf unsere Erfahrungen und Untersuchungen, die wir
als einer der „ältesten“ Hersteller von Uhrenbewegern im Laufe von mehr
als 15 Jahren zusammengetragen haben. Wir nehmen aber für uns nicht in
Anspruch, hier allgemein gültige, auf jeden Uhrenbeweger und jede
Automatikuhr und jede Kombination aus beiden zutreffende Aussagen zu
machen.
Ihre Automatikuhr wird durch einen Rotor aufgezogen, den die Bewegungen
des Armes in Dreh- oder Pendelbewegungen versetzen. Diese Bewegungen
werden mechanisch auf das Federhaus übertragen, und die Aufzugfeder wird
gespannt. Neben exotischen Ausführungen meist älterer Bauart verwenden
die Hersteller heute Zentral- oder Planetenrotoren, die in einer oder
beiden Drehrichtungen die Aufzugfeder spannen, und entweder durch einen
Anschlag begrenzt – die so genannte Hammerautomatik, bis in die 60er
Jahre verwendet - oder unbegrenzt rotieren können.
Die frühere Vielfalt automatischer Kaliber hat sich in Folge der
Fusionen und Konkurse in der Schweizer Uhrenindustrie seit den 60er/70er
Jahren deutlich reduziert. Neben dem Marktführer Swatch Group mit den
Herstellern ETA und Valjoux stellt heute nur eine sehr überschaubare
Anzahl von Uhrenherstellern Automatikwerke her. Allerdings zeigt sich
hier in den letzten Jahren eine erfreuliche Trendwende.
Natürlich bleibt eine Automatikuhr stehen, wenn sie über einen gewissen
Zeitraum nicht getragen wird. Die normale Gangreserve, die je nach Werk
bei Vollaufzug zwischen 35 und 45 Stunden liegt, genügt nicht, wenn man
die wertvolle Uhr nur abends oder am Wochenende trägt, sie im Tresor
aufbewahrt, oder sie nicht mit in den Urlaub nimmt ! Also stellt jeder
Uhrenliebhaber mehr oder weniger oft seine Automatikuhr. Eine
langweilige Beschäftigung - besonders, wenn man mehrere Uhren besitzt -
und besonders unangenehm, wenn jede Uhr über eine Vielzahl von
Komplikationen verfügt. Eine Beschädigung oder ein extremes Verstellen
kann schnell passieren, und macht vielleicht sogar eine teure Reparatur
oder Revision notwendig. Ein Ewiger Kalender, der im Eifer „zu weit“
gestellt wurde, muss zur Korrektur zum Hersteller geschickt ... oder bis
zum eingestellten Tag liegengelassen ... werden.
Ein Uhrenbeweger verhindert zuverlässig das Stehen bleiben Ihrer
Automatikuhr, da er die Gangreserve permanent auffrischt. Es gibt heute
eine große Anzahl verschiedener Fabrikate, die aber alle sehr ähnlich
funktionieren: durch die Rotation der Uhr auf einem Halter wird die
Bewegung des Armes nachgeahmt, und die Automatikuhr zieht sich auf.
Diese Arbeitsweise ist nicht sonderlich kompliziert. Einige Besonderheit
muss der Konstrukteur eines Uhrenbewegers allerdings beachten, und
daraus leitet sich ein durchaus bedeutendes Problem ab, dass bei einigen
Konstruktionen beachtet werden muss, und auf das wir hier noch eingehen
werden.
Die große Mehrheit der modernen Automatikwerke werden auf einem
Uhrenbeweger unabhängig von dessen Drehrichtung aufgezogen, da ihre
Mechanik bidirektional arbeitet. Das bedeutet, dass sowohl die Links-
und Rechtsdrehung des Rotors von der Mechanik zum Aufzug der Feder
genutzt wird. Allerdings gibt es Werke, die nur in einer Drehrichtung
des Rotors die Aufzugfeder spannen. Das bekannteste Werk mit dieser
Eigenschaft ist das Valjoux 7750, ein millionenfach eingesetztes
Chronographenkaliber, das per Rechtsdrehung aufgezogen wird.
Ausschließlich per Linksdrehung zieht sich zum Beispiel das
Chronographenkaliber Lemania 5100 auf.
Die Hersteller von Uhrenbewegern lösen dies Problem auf unterschiedliche
Weise: wir haben beispielsweise unsere Baureihe EA so konstruiert, dass
jeder Halter individuell auf Rechts- oder Linkslauf umgeschaltet, und
somit problemlos an das Werk der aufgespannten Uhr angepasst werden
kann. Andere Uhrenbeweger schalten die Drehrichtung automatisch um,
wechseln also permanent zwischen Rechts- und Linkslauf, und werden so
auf den ersten Blick allen Automatikuhrkalibern „automatisch“ gerecht.
Leider ist das nicht der Fall, doch mehr dazu später.
Im Zusammenhang mit dem Funktionsprinzip aller Uhrenbeweger werden uns
regelmäßig Fragen gestellt, mit denen wir uns jetzt erst einmal
auseinandersetzen wollen:
Kann man eine Automatikuhr auf einem Uhrenbeweger oder durch Handaufzug
„überspannen“ ?
Die
Antwort darauf lautet (eigentlich) NEIN. Sobald die Aufzugfeder voll
gespannt ist, aktiviert sich bei einer Automatikuhr eine Art
Rutschkupplung im Federhaus, und die Feder entspannt sich ein wenig.
Diese Absicherung ist erforderlich, weil der Hersteller natürlich nicht
abschätzen kann, wie intensiv sich der Träger einer Automatikuhr bewegt.
Allerdings ist es in der Tat ungünstig, wenn diese Rutschkupplung
permanent aktiviert wird, da sich dadurch ein erhöhter Verschleiß
einstellen kann, und die Ganggenauigkeit der Uhr möglicherweise leidet.
Darauf gehen wir gleich aber noch genauer ein. In unseren Versuchen
haben sich einige Werke als sehr empfindlich gegen permanenten
Überaufzug erwiesen !
Verbessert oder stabilisiert
sich die Ganggenauigkeit einer Automatikuhr, wenn sie immer „voll“, also
zu 100 % aufgezogen ist ?
Die Antwort darauf lautet NEIN. Die Ganggenauigkeit ist davon abhängig,
dass vom Federhaus bis zur Unruh permanent ein möglichst gleichmäßiges
Drehmoment herrscht. Die Konstruktion eine modernen Automatikuhr und die
Eigenschaften des heute verwendeten Federmateriales gewährleistet, dass
dies in einem recht weiten Bereich der Federspannung der Fall ist. Ist
die Feder nahezu völlig entspannt, verringert sich das Drehmoment, und
die Ganggenauigkeit lässt nach. Gleiches passiert bei permanentem
Vollaufzug, weil die Rutschkupplung im Federhaus den Kraftfluss zur
Unruh regelmäßig unterbricht, und der Antrieb sozusagen „stottert“.
Ideal ist nach unseren Untersuchungen eine Gangreserve, die zwischen 50
und 80% der maximalen Gangreserve liegt. In diesem Bereich ist das
Drehmoment weitestgehend konstant, und die Uhr läuft unter optimalen
Bedingungen. Ein Uhrenbeweger sollte also die Automatikuhr genau in
diesem Bereich „halten“. Wie das nach unserer Auffassung zu erreichen
ist ... siehe unten.
Wird die Ganggenauigkeit
einer Uhr auf einem Uhrenbeweger beeinflusst ?
Die Antwort darauf lautet
JA. Ausschlaggebend ist aber nicht die Federspannung, wie wir bereits
erläutert haben. Von Bedeutung ist, dass sich die Uhr ständig in einer
konstanten „Lage“ (meist in einem Winkel von ca. 45 Grad zur Standfläche
des Uhrenbewegers) befindet, und nicht – wie am Arm des stolzen
Besitzers – ihre Position immer wieder verändert. Also arbeitet die Uhr
ständig in dem Abweichungsbereich, den sie „werkseitig“ in dieser Lage
hat. Ob daraus ein genauerer oder ungenauerer Gang als am Arm
resultiert, ist von Werk zu Werk verschieden, und lässt sich nicht
voraus sagen. Eine in mehreren Lagen regulierte Uhr sollte auf keinen
Fall auf einem Uhrenbeweger gravierende Unterschiede zum „Normalbetrieb“
am Arm zeigen.
Schadet es einer Automatikuhr, wenn sie nur von Zeit zu Zeit
getragen, und dann von Hand aufgezogen wird ?
Die
Antwort darauf lautet NEIN. Es schadet allenfalls dem Umsatz der
Uhrenbeweger - Hersteller. Früher nannte man das Risiko der Verharzung
als Grund dafür, das eine Uhr in der Schublade schneller altert, als
eine getragene Uhr. Die Qualität der modernen Öle allerdings hat diese
Argumentation „altern“ lassen. Allerdings gilt nach wie vor, dass eine
mechanische Uhr regelmäßig gewartet werden sollte ... etwa alle 5 Jahre.
Ein Uhrenbeweger dient also der Bequemlichkeit des Besitzers, von dem
bereits erwähnten Risiko bei Ewigen Kalendern einmal abgesehen.
Wir nehmen gerne in diesen Beitrag unsere Antwort auf Ihre spezielle
Frage zu diesem Thema auf. Bitte senden Sie sie uns per Email zu.
Kommen wir nun zu der bereits mehrfach erwähnten Problematik, die
besonders bei solchen Uhrenbewegern zu Tage tritt, die ihre Drehrichtung
automatisch wechseln. Beginnen wir die Betrachtung mit Rechenbeispielen
für drei sehr gängige Automatik-Kaliber:
Das Kaliber Valjoux 7750 benötigt etwa 750 Umdrehungen im
Uhrzeigersinn täglich. Das Kaliber Lemania 5100 benötigt dagegen
täglich etwa 800 Umdrehungen, allerdings gegen den Uhrzeigersinn. Zu
guter Letzt benötigt das Kaliber Eta 2892 etwa 650 Umdrehungen
pro Tag, wobei die Drehrichtung keine Rolle spielt.
Die meisten Uhrenbeweger mit integrierter Steuerung liegen deutlich über
diesen Werten. Das ist aber kein Problem, wenn sie über die Steckdose
betrieben werden, denn dann hilft schon eine preiswerte Schaltuhr aus
dem Baumarkt. Unser Tramon - Uhrenbeweger EA 3 beispielsweise dreht sich
mit cirka 8 Umdrehungen pro Minute, und leistet in 1 ½ Stunden die für
alle oben aufgeführten Werke notwendigen Umdrehungen ab. Bewegermodul 1
schalten Sie auf Rechtslauf, Modul 2 auf Linkslauf, und bei Modul 3
haben Sie die freie Wahl. Wenn Sie die benötigten 90 Minuten auf zweimal
45 Minuten täglich verteilen, was mit der Schaltuhr ja kein Problem ist,
kommt es mit Sicherheit nicht zum „überspannen“, da sich die Aufzugfeder
für jeweils mehr als 11 Stunden „entspannen“ kann.
Problematischer wird die Geschichte bei Mehrfach - Uhrenbewegern mit
automatischen Richtungswechsel. Das Modell WTS4 für 4 Automatikuhren zum
Beispiel dreht sich ein paar Minuten nach rechts, macht dann eine Pause
und dreht sich dann ein paar Minuten nach links. Vollautomatisch und
sehr bequem, weil sich der Besitzer nicht um die Eigenschaften seiner
Uhren kümmern muss. In Summe drehen sich die Uhren täglich 1.200 mal
rechtsherum und 1.200 mal linksherum. Dies ist für alle modernen
Automatikuhren eigentlich schon weit mehr als nötig, gibt aber die
Sicherheit, dass wirklich jede Uhr auch zuverlässig aufgezogen wird. So
weit, so gut, da dieser Uhrenbeweger an der Steckdose arbeitet, kann man
die Betriebszeit ja mit einer preiswerten Schaltuhr regeln, und somit
genauer an die Uhren anpassen.
Zum Beispiel auf sieben Stunden Betrieb, dann fünf Stunden Pause, wieder
sieben Stunden Betrieb, und nochmals fünf Stunden Pause. Rechnerisch
ergibt sich dann ein Wert von 700 Umdrehungen nach links und 700
Umdrehungen nach rechts. Für das Valjoux und auch für das Lemania ideal,
da sie ja nur in einer Richtung aufgezogen werden, und in der
Gegenrichtung „Karussell fahren“. Anders sieht es aus, wenn zusätzlich
das bidirektional aufziehende Eta 2892 „mitfährt“, da es mit ca. 1.400
Umdrehungen doppelt so lange aufgezogen wird wie nötig. Eine weitere
Reduzierung per Schaltuhr ist nicht möglich, da sonst die beiden anderen
Uhren früher oder später stehen bleiben ! Das bewährte und robuste
Eta-Kaliber verkraftet das nach unserer Erfahrung problemlos längere
Zeit, aber es gibt Werke, die darauf viel empfindlicher reagieren, wie
die El Primero Kaliber !
Was tun ? Hier hilft eigentlich nur, auf einem besagten Uhrenbeweger
WTS4 ... oder anderen mit automatisch wechselnder Drehrichtung ... nur
Kaliber mit gleichartigem Aufzug gemeinsam zu betreiben, und bei
Kalibern mit beidseitigem Aufzug die Betriebszeit weiter zu reduzieren
(in diesem Fall etwa auf die Hälfte). Oder Sie entfernen die Uhren mit
beidseitigem Aufzug für eine Laufperiode vom Uhrenbeweger (was natürlich
umständlich ist, und vergessen werden kann).
Uhrenbeweger, die ausschließlich mit Batteriebetrieb arbeiten, lassen
sich in ihrer Betriebszeit normalerweise nicht einstellen. Hier müssen
Sie damit leben, dass Ihre Uhren mehr als nötig aufgezogen werden. Als
Lösung des Problems kann nur der Tipp herhalten, die Uhr regelmäßig vom
Beweger zu nehmen, mit den vorgenannten Nachteilen. Das Modell Modelle
WTB100 dreht sich einmal pro Minute für eine Umdrehung. Das ergibt 1.440
Umdrehungen pro Tag, was bedeutet, dass man sinnvoller Weise dieses
Modell morgens einschaltet, und abends wieder ausschaltet (oder
umgekehrt).
Auf jeden Uhrenbeweger hier ausführlich einzugehen, würde den Rahmen
dieses Betrages sicher sprengen. Sie können aber anhand von eigenen
Messungen oder unserer (demnächst auf unserer Homepage veröffentlichten)
Tabellen leicht selbst feststellen, welche Betriebszeit für Sie und Ihre
Uhren die richtige ist.
In unserer
Tabelle „Werke“ finden Sie die
empfohlenen Umdrehungen für eine Vielzahl von Kalibern. |




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